Peregrin

Ein Peregrin ist ein Wanderer. Nicht jemand, der ziellos umherwandert, sondern auf einer gezielten, weiten Reise. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, peregrinus – der Wanderer.

Ich liebe ja Endzeit-Szenarien mindestens so sehr, wie Dark Fantasy oder Steam Punk. Als ich kürzlich begonnen habe, Death Stranding zu spielen und Dank einiger spannenden Gespräche über S.T.A.L.K.E.R., fühlte ich mich getrieben, wider besseren Wissens, ein neues Projekt anzufangen. Diesmal ein spezielles Endzeit-Projekt.

Kein klassischer-humoristischer Ansatz, wie Hotel Apocalypse, auch kein „traditionelles“ Szenario, wie Fallout Worlds oder so. Ich habe ja schon damals, inspiriert von der dichten Atmosphäre von S.T.A.L.K.E.R. (Film & Buch wie Spiel) ein paar STALKER-Kurzgeschichten geschrieben, die ich insgesamt eigentlich ganz gelungen fand.

Auch diesmal treibt mich am meisten ein Eindruck, die Atmosphäre. Death Stranding – ein Spiel, das ich übrigens ruhigen Gewissens sehr empfehlen kann – vermittelt erfolgreich ein Gefühl von Verlorenheit und Isolation. Ähnlich den STALKERN durchstreift man hier als Porter eine Landschaft bar jeden menschlichen Lebens, mit Ausnahme vereinzelter, isolierter und in ihrer festungsgleichen Abgeschirmtheit fast panisch ängstlich wirkender „Städte“. Während des Spiels beschäftigt man sich hauptsächlich damit, die Entfernung und natürlichen Hindernisse dazwischen zu überwinden.

Dieses Gefühl fasziniert mich – neben dem tatsächlich ungewöhnlichen Gameplay. Es hat mich stark an S.T.A.L.K.E.R. erinnert und ich habe ganz automatisch begonnen, die beiden gedanklich zu verbinden. Nach einer Weile habe ich dann auch schnell die nötigen Rahmenpunkte dafür gefunden und baue derzeit dieses Szenario auf.

Der Schwerpunkt, oder besser der Blickwinkelt, liegt dabei bei den Peregrins. In einer post-kataklystischen Welt, in der nicht nur die menschliche Kultur, sondern auch der Rest der Natur an den Abgrund gedrängt ist, lebt man konzentriert in solchen Siedlungen, die sich ängstlich in den Schatten und Schutz von Berghängen mit siedlungsüberspannenden Dächern zusammendrängen, oder in Höhlen kauern.

Setzt man den Fuß vor die Tür, außerhalb der sicheren Grenze, wird man bedroht – und zwar nicht durch Mutanten oder Briganden, sondern durch die Elemente und das Wetter selbst. Lebewesen sind da eher eine sekundäre Gefahrenquelle, was nicht heißt, dass sie harmlos sind.

Peregrins sind nun jene wenigen wagemutigen, verzweifelten oder schlicht einer Alternative entbehrenden Leute, die sich auf die langen, gefährlichen Wege von einer Siedlung zur anderen machen. Sie transportieren Güter oder Information, Nachrichtenoder Hoffnungen.

Jetzt stellt euch eine karge, von Moos und Flechten, zähem Strauchwerk und vereinzelten Gruppen verkrüppelter Bäume dominierte Landschaft vor, der sich sehr wenig bewegt. Man hört kaum Vögel, es sind fast nie größere Tiere unterwegs. Beständig steigt kalten Dampf auf und behindert die Sicht. Der Himmel fast immer wolkenverhangen und es ist diesig. Weit und breit kein Mensch. Hier und dort sieht man Knochengerippe, von ledriger, rissiger und gegerbter Haut überzogen und von braunschwarzen Teerpfützen umgeben. Manchmal sieht man zerfallene Überreste von Betonbauwerken oder die zur Unkenntlichkeit verrosteten und verformten Gerippe ehemaligen Metalls. Es ist kalt, denn Wärme bedeutet Regen und Regen bringt den Tod. Ihr tragt einen komplett wasserdichten Anzug aus Kunststoffolie, eine Kapuze und müßt jeden freien Zentimeter Haut mit Plastikfolie bedecken. Über Gesicht und Mund tragt ihr ein dichtes Tuch oder einen Schal, vielleicht sogar eine Atemmaske. Auf dem Rücken schleppt ihr einen Rucksack mit den Notwendigen Vorräten: Trinkwasser, etwas Nahrung, Energiepillen, ein paar Werkzeuge und eine große Zeltplane mit Leinen, Haken und vielen, vielen Eisenkeilen. An einer starken Leine aus Kunstfaser schleift ihr einen schwer beladenen Plastikschlitten über das unwegsame Gelände hinter euch her und ihr lauft ein Rennen gegen die Zeit. Denn mit dem Abend kommen meist die Regenfälle und in der Nacht streifen die letzten überlebenden Fleischfresser hungrig umher.

Das alles nur, weil ihr vor Monaten im Suff und Streit einen Vorarbeiter angegangen seit und man euch zur Strafe für den Außeneinsatz eingeteilt hat.

Das Tagebuch eines Peregrin enthält die Sicht eines dieser Wanderer (vielleicht nicht unbedingt des besten – oder auch nur einigermaßen)